In diesem Gastbeitrag geht es ins Oberwallis. Diana Fux lebt hier in einem kleinen Bergdorf auf 1.358 Metern und zeigt dir das Oberwallis, abseits der Touristenpfade. Mit Raclette vom offenen Feuer und einem Craft Beer.
Ein Wochenende im Oberwallis – Berge, Ruhe und das beste Raclette deines Lebens
Wenn Besuch aus Deutschland kommt, ist die erste Frage immer die gleiche: Was macht man bei euch so? Ich lebe im Oberwallis, in einem kleinen Bergdorf auf 1.358 Metern. Und die ehrlichste Antwort auf diese Frage ist: ankommen. Durchatmen und dann essen.
Das Oberwallis ist kein Ort für Leute, die eine Liste abhaken wollen. Es gibt hier kein Programm, das dich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit schleust. Was es gibt: Berge, die so nah sind, dass du das Gefühl hast, du könntest sie berühren.
Stille, die sich anfangs fast unangenehm anfühlt, wenn du aus der Stadt kommst und Essen, das dich daran erinnert, warum einfach fast immer besser ist.
In diesem Artikel nehme ich dich mit auf ein Wochenende, wie ich es meinem Besuch machen würde. Kein Touristenprogramm, sondern das, was ich selbst mache, wenn ich jemandem zeigen will, warum ich hier lebe.

Oberwallis im Überblick
- Das Oberwallis ist der deutschsprachige Teil des Kantons Wallis und liegt im Osten des drittgrößten Schweizer Kantons.
- Rund 85.000 Menschen leben im Oberwallis, verteilt auf 63 Gemeinden.
- Die Region hat bis zu 300 Sonnentage pro Jahr und gehört damit zu den sonnigsten in Europa.
- Das Matterhorn (4.478 m) und 22 weitere Viertausender liegen vollständig im Wallis.
- Der originale Raclette-Käse kommt aus dem Wallis und ist als „Raclette du Valais AOP“ herkunftsgeschützt.
Mit dem Zug direkt ins Wallis
Mit dem Zug kommst du von Deutschland direkt ins Wallis. Visp ist der Knotenpunkt im Oberwallis, von hier aus geht es in alle Seitentäler.
Was dir als Erstes auffällt, wenn du aus dem Zug steigst: die Luft. Sie riecht anders. Kühler, klarer und je nach Jahreszeit nach Heu oder nach Schnee. Das Zweite, was auffällt: das Tempo. Hier rennt niemand. Die Leute gehen langsamer, reden langsamer und das ist kein Klischee, sondern einfach so.
Von Visp aus nimmst du die Matterhorn Gotthard Bahn bis Kalpetran. Das dauert ein paar Minuten. In Kalpetran steigst du in die Luftseilbahn, die LKE, und schwebst hinauf nach Embd. Das Dorf liegt am Hang, auf 1.358 Metern und wenn du oben aus der Gondel steigst, siehst du das ganze Tal unter dir. Es ist der Moment, in dem die meisten zum ersten Mal still werden.
Mein Tipp für die Unterkunft: die Mattertal-Lodge in Embd. Klein, persönlich und mit einem Blick, für den andere Leute in ein Flugzeug steigen.

Du musst nicht sportlich sein, um hier glücklich zu werden
Wahrscheinlich denkst du jetzt: Wallis, Berge, da muss ich bestimmt wandern. Ja, kannst du. Musst du aber nicht.
Wenn du trotzdem Lust hast, nimm die Luftseilbahn Embd-Schalb, die LES. Das ist die sogenannte Erlebnis-Bahn, eine offene Freiluft-Gondel, die dich vom Dorf hoch zum Schalb bringt.
Allein die Fahrt ist schon das halbe Erlebnis. Du schwebst offen über dem Tal und siehst die Berge von allen Seiten. Wenn du oben ankommst, hast du zwei Möglichkeiten.
Die erste: der Gorgwägjiweg. Das ist ein Wanderweg mit Schatzsuche. Klingt nach Kinderprogramm, macht aber allen Spass. Du läufst durch Wald und Wiesen, mit Blick auf die Berge und die Strecke ist so angelegt, dass du keine Bergschuhe und keine Kondition brauchst.
Die zweite Möglichkeit: Du gehst direkt zur Moosalp. Und damit sind wir beim wichtigsten Teil dieses Wochenendes.
Raclette von der offenen Feuerstelle
Wenn du in Deutschland Raclette sagst, denken die meisten an das Gerät, das an Silvester auf dem Tisch steht. Kleine Pfännchen, Käse aus dem Supermarkt, fertig. Das hat mit dem, was dich hier erwartet, ungefähr so viel zu tun wie Pulverkaffee mit einem frisch aufgebrühten Espresso.
Im Restaurant Moosalp machen sie Raclette über der offenen Feuerstelle. Echter Walliser Käse, am Feuer geschmolzen, auf den Teller geschabt. Dazu Gschwellti, also Pellkartoffeln, saure Gurken und Silberzwiebeln. Nichts Kompliziertes, doch so gut, dass du danach jedes Raclette zu Hause damit vergleichen wirst.
Wenn du nach dem Raclette Platz hast, liegt gleich gegenüber das Dorbia, das für seine Cordon-Bleu-Spezialitäten bekannt ist. Doch ganz ehrlich, das Raclette reicht meistens aus. Oder zwei. Oder drei. Mehr braucht es nicht.

Craft Beer auf 1.358 Metern
Was Touristen fast nie mitbekommen, in Embd gibt es eine Gruppe junger Leute, die ihr eigenes Bier brauen. Heglwiis heisst das. Es ist ein Kleinbetrieb, eher ein Hobby, doch das Bier ist richtig gut.
Hier findest du auch etwas über das Dorf, das du in keinem Reiseführer findest. Hier leben rund 300 Menschen und die machen Dinge nicht, weil sich das lohnt, sondern weil sie Lust drauf haben.
Du kannst das Heglwiis sogar als Souvenir mit nach Hause nehmen. In unserem Lädele, dem „Konsum“ (ja, so heisst er hier wirklich), gibt es das Bier offiziell zu kaufen. Bei dem Wort „Konsum“ fühlte ich mich als Ossi sofort heimisch.
Wenn du zur richtigen Jahreszeit kommst, erlebst du auch die Traditionen mit. Prozessionen in Tracht zur Dorfkirche, Alpaufzüge, Feste, die seit Generationen gleich ablaufen. Das Wallis hält an seinen Traditionen fest, nicht aus Nostalgie, sondern weil sie zum Alltag gehören.
Wenn du dich vorab informieren möchtest, findest du auf embd.ch alles Wichtige zur Gemeinde und zu Veranstaltungen.

Was du wissen solltest, bevor du losfährst
Anreise: Mit dem Zug nach Visp. Ab Visp mit der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) nach Kalpetran, dann mit der Luftseilbahn (LKE) hoch nach Embd.
Kosten: Der Schweizer ÖV ist nicht günstig. An jedem SBB-Bahnhof kannst du dich über Vergünstigungen beraten lassen. Der MGB Mehrtages-Pass lohnt sich, wenn du mehrere Fahrten in der Region planst.
Unterkunft: Mattertal-Lodge in Embd. Klein, persönlich, guter Ausgangspunkt.
Beste Reisezeit: Sommer für Wanderungen und die Erlebnis-Bahn. Herbst und Winter für Raclette und Ruhe. Im Winter kann es richtig still werden hier oben und auch die Mobilität kann hier und da im Winter eingeschränkt sein.
Rückweg: Die Busfahrt von der Moosalp über Stalden zurück ins Tal ist ein Erlebnis für sich. Serpentinen, Aussicht und das Gefühl, dass du gerade etwas gesehen hast, das nicht jeder kennt.
Sprache: Im Oberwallis wird Walliserdeutsch gesprochen. Als Hochdeutsch-Sprecherin wirst du nicht alles verstehen, aber die Leute wechseln gerne, wenn sie merken, dass du von weiter weg kommst. Ich versteh mittlerweile praktisch alles und spreche selbst viel Walliserdeutsch mit meinem Mann, der hier geboren ist. Daher auch das x in Fux.
Für wen ist dieses Wochenende?
Das Oberwallis ist nichts für dich, wenn du Programm brauchst. Es ist für Leute, die wissen wollen, wie sich Ruhe anfühlt, wenn sie echt ist.
Die gerne gut essen, ohne dafür ein Sternerestaurant zu brauchen und die einen Berg anschauen und nicht sofort fragen, wie hoch er ist, sondern einfach stehen bleiben.
Ich lebe hier, weil mir dieses Tal gezeigt hat, dass weniger fast immer mehr ist und ich freue mich jedes Mal, wenn jemand zu Besuch kommt und das auch so sieht. Also, komm vorbei und bring Hunger mit.

Bist du auch schon mal im Wallis oder Oberwallis gewesen? Was ist dein Tipp für die Region? Schreib es doch gerne in die Kommentare.
Du möchtest noch mehr Schweiz? Dann schau doch mal beim Gastbeitrag von Grit zum Berner Oberland vorbei.


